Schwer erträgliches Hardcore-/Sludge-Gewaltverbrechen

Meine These, dass die abgedrehtesten (Metal-)Combos aus Frankreich stammen, wird auch durch COWARDS einmal mehr bestätigt. Doch was die Truppe aus Paris auf ihrer neuen EP “Still” bietet, sprengt selbst die ohnehin schon ziemlich durchlässigen musikalischen Grenzen ihres Heimatlandes. Ausfransende Songstrukturen mit post-corigem Gitarrengeschrammel und wüstem Geschrei, das ist prinzipiell nichts Neues westseits des Rheins, wird beispielsweise von den COWARDS-Landsleuten THE PRESTIGE schon seit geraumer Zeit meisterhaft betrieben. Auf “Still” bleibt allerdings noch weniger von klassischen Song-Strukturen übrig. Die chaotische, rabenschwarze Gewaltorgie wird angeführt von einem ätzend keifenden J.H., dessen misanthropische Vokalarbeit auch einer Black-Metal-Combo gut zu Gesichte stünde. Das Ergebnis ist gelinde gesagt verstörend.

Die ersten drei Tracks stammen aus der Feder der Franzosen, und wenn auch von einer Linie nur schwer die Rede sein kann, so lässt sich doch attestieren, dass man im Hause COWARDS eine Richtung gefunden hat, die ebenso rücksichtslos wie konsequent verfolgt wird. Infernalisches Gehacke wechselt sich ab mit teilweise moshbaren Postcore-Parts, dystopische Klangszenerien erheben sich in den kurzzeitigen Ruhepausen, ehe die Raserei fortgeführt wird. Am besten funktioniert diese Gangart beim etwas flotteren ‘Let Go’. Ich habe nur bislang weder die passende Tageszeit noch die richtige Stimmung gefunden, um “Still” auch nur im Entferntesten genießen zu können. Eine gewisse Faszination übt dieser grauenhafte Lärm aber dennoch auf mich aus. Der Fünfer schert sich wahrlich einen Dreck um Konventionen und um die Grenzen des guten Geschmacks. Und auf ziemlich unmenschliche Weise ist das geifernde Wüten der COWARDS stimmig.

An vierter Stelle steht mit ‘You Belong To Me’ das Cover des THE POLICE-Klassikers ‘Every Breath You Take’. Der Song wurde bis zur Unkenntlichkeit entstellt und verstümmelt; ob man das gut finden muss, sei dahingestellt. Zumindest fügt sich das Stück hervorragend ist das vorangegangene Chaos ein. Richtig grottig und unbeschreiblich langweilig fällt hingegen die THE HORRORIST-Reminiszenz ‘One Night In Any City’ aus, wo ein albern raunender Sprecher die stumpfsinnige Geschichte eines minderjährigen Mädchens vorträgt, das in New York einem Perversen in die Hände fällt.

“Still” soll also in erster Linie schockieren, Grenzen sprengen, quasi die unmenschlichsten Randbereiche mehrerer Stilrichtungen vereinen. Das gelingt COWARDS auch, allerdings fällt das Klang gewordene Ergebnis viel zu anstrengend und letztlich auch abstoßend aus, wodurch diese kaum noch als Musik zu bezeichnende Schocktherapie wohl in erster Linie nur als Beispiel für abstrakte Kunst herhalten kann. Wer meint, mit einer schwarz gefärbten Mixtur aus THE DILLINGER ESCAPE PLAN, CULT OF LUNA und THE PRESTIGE etwas anfangen zu können, kann sich an “Still” zumindest heran trauen.

http://powermetal.de/review/review-Cowards/Still,30068.html